Alles geht einmal zu Ende...

Hallo meine Liebsten!!!

Nun hab ich schon wieder lange Zeit nicht geschrieben..aber in Anbetracht meiner sich dem Ende zuneigenden Zeit hier ist mir aufgefallen das ich das schleunigst nachholen muss.

Bei meinem letzten Eintrag war ich in Salta,Argentinien.Nachdem wir dort ein paar schoene Tage verbracht hatten ging es weiter nach Santa Cruz, Bolivien.

Wir fuhren also mit dem Bus zur bolivienischen Grenze( Yacuiba), wo wir ziemlich spaet Abends in der Dunkelheit am Busbahnhof ankamen.

In unserer ganzen Bloedheit liessen wir uns dann dort von zwei Maenner anquatschen, die uns zur Grenze fuehren und uns dort direkt einen Bus weiter nach Santa Cruz besorgen wollten. Da wir absolut keine Ahnung hatten wie man vom Terminal zum Grenzposten gelangt und irgendwie auch bloed und muede waren, liessen wir es einfach geschehen und ehe wir uns versahen hatten sie unsere Rucksaecke schon auf ihren Schubkarren geladen und liefen uns vorraus.

Ich fragte noch wie viel uns das kosten wuerde und einer der Maenner meinte:“Nur ihre Dankbarkeit“....KLAR!

Als wir an der Grenze waren gaben sie uns unsere Rucsaecke und redeten irgendwas vonwegen hinter der Grenze wuerde ein Bus auf uns warten...totaler Schwachsinn...

Dann wollten sie natuerlich das wir sie bezahlen,was auch klar war.

Ich gab ihnen also 10 Bolivianos...und die beiden Maenner fingen an zu lachen und meinten sie wollen 80 Dollar...dann fingen wir an zu lachen und sagten ihnen wir haetten gar keine Dollar.

Dann wollten sie ploetzlich 700 Bolivianos.

Wir gaben ihnen noch 10 bs. mehr und liefen einfach so schnell wie moeglich ueber die Grenze, wo sie uns nicht folgen konnten.

Zum Glueck riefen sie uns nur irgendwelches Zeug hinterher und wurden nicht handgreiflich...das haette echt gefaehrlich werden koennen.

Nach diesem kleinen Adrenalinschub gab es dann an der Grenze zum Glueck keine Probleme, wovor wir ziemlch Angst hatten weil sich die Einreiseregeln 2009 geaendert haben und man jetzt nur noch einmal im Jahr einreisen darf, was den meisten Grenzbeamten aber glueklicherweise ziemlich egal ist.

...Und dann waren wir also endlich wieder im guten alten Bolivien.

Von da aus gings weiter in tropische Santa Cruz.

Nach einem ruhigen Tag in Santa Cruz, wo man eigentlich nicht viel machen kann als auf dem von vielen Palmen umgebenen Plaza Eis zu essen und auszuruhen, ging es weiter nach Samaipata, ein Dorf ca. 3 Stunden entfernt.

Dort zogen wir in ein Hostal, welches eins der schoensten ist in denen ich jemals war. Ueberall haengen Haengenmatten, es gibt ein tolles Fruehstueck mit vielen Fruechten und ueberhaupt sieht alles aus wie in der Villa Kunterbunt.

Samaiata ist ein wunderschoenes kleines Dorf,mit einer traumhaften Landschaft drumrum und vielen kuscheligen Restaurants und Cafés um den ebenfalls mit Palmen umgebenen Plaza.

Wir gingen in den nahegelegenen Zoo, wo ueberall Affen frei rumliefen

Der Zoo wir von einer Familie betrieben,die ihr Haus auf dem Gelende hat, worin auch die meisten der Affen wohnen...auf jeden Fall mal eine Abwechslung zu deutschen Zoo's

Am naechsten Tag fuhren wir zu nahegelgenen Wasserfaellen.

Das war echt ein Traum!!!

Durch ein grosses Tor gelangt man in einen riesigen Garten, in dem es drei Wasserfaelle gibt.

Wir liefen an zwei kleineren vorbei zu dem dritten und groessten, zu dem man ungefaehr 20 Minuten wandern muss.

Dort waren wir ganz alleine und es gab einen grossen Sandstrand.

Es war ein wunderschoener sonniger Tag und der Wasserfall sah aus als waere er aus einem Traum entsprungen...wir lagen einfach nur im Sand und genossen die Ruhe und den Urwald um uns...es war wie ein kleine Paradies

Am gleichen Abend gings zurueck nach Santa Cruz, wo uns am naechsten Tag eine grosse Party erwartete.

Ein Freund von uns hatte Geburtstag und feierte ein ganzes Wochenende in einer Villa, mit Pool und riesigem Grundstueck, etwas auserhalb von Santa Cruz.

Wir grillten jeden Tag und machten einfach nichts ausser in der Sonne zu liegen und im Pool zu schwimmen

Nach diesen wirklich schoenen Tagen gings dann weiter nach Trinidad, Beni.

Dort blieben wir ungefaehr eine Woche, obwohl es eigentlich nichts zu tun gibt aber ich war krank und musste einige Tage im Bett bleiben, was uns daran hinderte weiter zu reisen...

Trinidad ist eine kleine gemuetliche Stadt, in der fast niemand mit Autos sondern nur mit Mopets und Motorraedern rumfaehrt, was ein witziges Bild abgibt.

Auserdem haben sie dort noch offene Abwasserkanaele...was nicht so lecker ist.

Trinidad ist im Sueden Boliviens.

Dort herrscht also schon ein richtig tropisches Klima und auf dem „Plaza“ haben wir des oefteren mal Faultiere in den Baeumen rumhaengen sehen.

Nach dieser Woche waren wir sehr ausgeruht und sehnten uns nach der hecktischen Grossstadt, die wir so zu lieben gelernt hatten...

Wir entschieden uns die restliche Zeit unseres Urlaubs in La Paz zu verbringen...wir hatten einfach schrecklich Heimweh

Hier ist alles beim Alten...

Ich bin noch ungefaehr 4 Wochen hier und die Abschiedsstimmung macht sich immer mehr bemerkbar.

Die ersten Freiwilligen sind schon nach Hause geflogen und wir werden hier immer weniger.

Es ist ein komisches Gefuehl zu wissen das ich in 5 Wochen schon wieder zu Hause bin und es sein wird als waere ich nie hier gewesen...

Diese Jahr war mit Abstand die beste Erfahrung meines Lebens und wenn ich koennte wuerde ich noch hier bleiben...wobei ich mich natuerlich auch wieder auf zu Hause freue...es ist einfach nur schwer sich vorzustellen das alles einfach aufhoert...

Nun gut, sonst gibt’s nicht viel zu berichten...der Alltag hat sich auch hier eingestellt

Ansonsten kann ich nur sagen...wir sehn uns bald!

(Der DJ und Besitzer von Malegria,Monicas Lieblingsboliche,hat sie gekuesst!!!

Monicas Kommentar:“Er kuesst soooo schoen!!!)

Liebste Gruesse aus der schoenen Ferne

Salomeinbolivien

1 Kommentar 25.7.09 01:12, kommentieren

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Es ist Winter!

Aufenthaltsort: Salta-Argentinien

 

Ich sitze im "Wohnzimmer" eines kuscheligen Hostals in Salta und bemerke einmal wieder das der Standart in Boivien einfach wahnsinnig niedrig ist im Bezug auf...Alles!

Die Hostals hier haben einfach eine ganz andere Atmosphaere...es gibt Raeume in denen man fernsehen, lesen, schreiben oder einfach mit anderen Leuten in Kontakt kommen kann.
In Bolivien hat man meistens nur sein Zimmerchen und das war´s.

...Aber ich will der Reihenfolge nach berichten.

Die letzten zwei Tage in Salta verbrachten wir mit Ausfluegen, unter anderem zu einem nahegelegenen See, wo wir den ganzen Tag in der Sonne lagen und den als so delizioes beschrieben lokalen Fisch probierten.
"Lonely Planet" luegt!...denn wenn man es geschafft hat den Kopf und den Schwanz der Fische zu entfernen bleibt nicht mehr sehr viel uebrig...auch nicht vom Appetit!

Auf jeden Fall war es schoen einfach mal wieder Ruhe und Natur zu haben weil das in La Paz einfach Fremdwoerter sind

Am naechsten Tag gings an den Stadtrand, wo wir den "Mercado Central" besuchten, ein sehr traditioneller Markt wie man ihn eigentlich ueberall in Bolivien finden kann und wo es wirklich alles zu kaufen gab.

Diese Maerkte erinnern mich immer an Erzaehlungen aus alten Romanen und so ungefaehr muss es damals auch gewesen sein.
Zum Beispiel in der Fleischabteilung...Das Fleisch liegt und haengt in Massen auf und ueber den zahlreichen Theken, natuerlich ungekuehlt, und Menschen kommen mit grossen Eimern um die gekaufte Wahre nach Hause zu transportieren.
Es stinkt und ueberall sind Fliegenschwaerme zu sichten...nicht zu sprechen von der Fischabteilung...

In anderen Sektionen sind Berge von frischem Obst und Gemuese zu finden und Frauen haben kleine Staende wo sie dir jeden nur denkbaren Frucht- oder Gemuesesaft fuer ungefaehr 20 Zent frisch pressen.

Im oberen Stockwerk gab es allemoeglichen Traditionellen Speisen Boliviens zu kaufen...wobei man da natuerlich immer vorsichtig sein muss was man isst, auch wenn vieles sehr lecker aussieht.

Wie ich bis jetzt auch festgestellt habe hat jede Stadt so ihre spezielle Speise die an jeder Ecke angeboten wird.
Das sind keine, wie man vielleicht erwarten moechte, traditionelle Speisen.
In La Paz und Cochabamba ist es zum Beispiel das "fritierte Huenchen", in Salta Pizza und Tarija werden an jeder Ecke die leckersten Sahnetorten verkauft...Bolivien hat schon was von einer Fastfoodnation

Gestern Abend gings dann mit dem "Minivan" los in Richtung argentinische Grenze.
Unterwegs fing es an zu regnen und wir mussten teilweise im Schritttempo fahren weil es so nebelig war das man nichts sehen konnte, wodurch wir uns schon ziemlich verspaeteten.


Wir waren trotzdem noch recht gut in der Zeit um unseren Bus der hinter der argentinischen Grenze auf uns wartete und uns nach Salta transportieren sollte zu erwischen.

Nachdem wir also mal wieder die Zollkontrolle und die, immerwieder einen ueberraschend einfallsreichen Humor besitzenden,Migrationsbeamten hinter uns hatten machten wir uns auf die Suche nach unserem Bus.

Es war mittlerweile schon ungefaehr 00.30 Uhr und wir fuehlten uns ein bisschen wie illegale Einwanderer, wie wir da so einsam in der Nacht herumstapften.

Nachdem wir dann nach ungefaehr einer Stunde und laengerem Suchen, den uns als 4-5 Minuten lang beschriebenen Weg bis zur Stelle an der unser Bus abfuhr gefunden hatten,
waren wir heilfroh das auf die suedamerikanische Unpuenktlichkeit nicht nur in Bolivien Verlass ist, wodurch wir unseren Bus noch rechtzeitig erreichten und uns sofort ueber den argentinischen Standart der breiten, weichen Sitze freuten 

Heute Morgen kamen wir dann endlich in Salta an und checkten sofort in ein Hostal ein, wo wir erst mal unseren Schlaf nachholten.

Die Stadt,im Norden Argentiniens ist immernoch so wunderschoen wie 2006, als ich waehrend meines Schueleraustauschs mit "Mar del Plata" hierher gereist bin.
Nur leider war es damals Fruheling und die Sonne schien und jetzt ist es Winter und es ist wirklich kalt...noch viel kaelter als in La Paz sogar...was ich einfach nicht mehr gewohnt bin

Es ist trotzdem herrlich, auch die ganzen Koestlichkeiten von Argentinien auf die ich so lange verzichten musste
Ich bin immer ganz stolz auf mich wenn ich Orte wiedererkenne und mich daran erinnere wie wir Austauschschueler damals zusammen hier waren...das scheint mir wie eine ganz andere Zeit, obwohl es vor nicht mal drei Jahren war...

Fuer morgen haben wir einen Tagesausflug nach Jujuy und Humahuaca geplant, wo ich damals auch schon war...mal sehen welche Erinnerungen mich da noch ueberkommen werden

Heute Abend gehen wir das salteñische Nachtleben, welches uns als "ueberraschend erfrischend" beschrieben wurde, erkunden und hoffen das wir morgen trotzdem frisch und munter um 6.30 Uhr zu unserem Tagesausflug bereit sind...

Bis Bald

salomeaufreisen 

 

 

 

30.5.09 02:28, kommentieren

SalomeaufReisen:)

Aufenthaltsort: Tarija

 

Gestern Abend starteten wir unsere Reise in La Paz und kamen nach 20-stuendiger Fahrt in einem,in unserem Sparzwang, sehr unstabilen und gewoehnlichen Schulbus gleichenden Gefaehrt in Tarija an, wo unser Urlaub dann mit strahlendem Sonnenschein endlich begann. 

Wir verbrachten den Tag mit der Besichtigung der kleinen, im Sueden Boliviens liegenden Stadt, welche man ganz leicht an einem Nachmittag zu Fuss erkunden kann. 

Das Klima ist mild und eine angenehme Abwechslung zum inzwischen kalt gewordenen La Paz.

Uebermorgen gehts weiter nach Argentinien...bis dahin sind noch einige Ausfluege in die Umgebung geplant.

Weitere Berichterstattung gibts bald!

Liebste Gruesse

salomeaufreisen 

1 Kommentar 26.5.09 23:48, kommentieren

Los niños de la calle

 

Hallo Alle zusammen...nun es gibt so einiges Neues hier in La Paz, was mich dazu bewegt wieder mal zu schreiben.

 

Ich koennte von meinen Reisen durch Bolivien erzaehlen.

Mittlerweile war ich auf dem traditionellen bolivianischen Karnaval in Oruro mit bunten Umzuegen und vor allem vielen betrunkenen Bolivianern, ich  war in Cochabamba um Freunde zu besuchen und habe ein traditionelles Ostern in Coroíco verbracht...aber ich bekomme langsam das Gefuehl das ich zu viel ueber meine Reisen und viel zu wenig ueber meine Arbeit und das was ich hier eigentlich tue schreibe.

 

Zuerst moechte ich ueber meinen Arbeitswechsel vor ungefaehr 4 Wochen schreiben.

Nachdem ich nun fast 7 Monate in dem Kinderdorf gearbeitet und auch dort gelebt habe, wurde der Drang dazu in ein anderes Projekt zu wechseln immer staerker.

Das lag nicht daran das mir die Arbeit keinen Spass gemacht und ich mich nicht wirklich in die Kinder verliebt haette, sondern hatte einfach damit zu tun das mir nun einmal nicht  mehr viel Zeit hier bleibt und ich diese in der Stadt verbringen wollte.

Nun ist es erstmal eine wahnsinnige Erleichterung nach der Arbeit einfach nach Hause zu gehen und eben auch einen Feierabend zu haben

Seit 4 Wochen also arbeite ich in El Alto, immernoch fuer Alalay aber mit Jungs von 8 bis 16 Jahren der ersten Etappe zusammen.

Das heisst diese Kinder kommen direkt von der Strasse ins Projekt, wo es ersteinmal darum geht sie von den Drogen wegzubekommen und ihnen einen Alltag zu geben.

Danach fangen sie an in die Schule zu gehen.

Das Projekt hat eine offene Tuer, was heisst das die Kinder von der Strasse sozusagen einfach anklopfen koennen und aufgenommen werden.

Da es viel darum geht das die Jungs ihren Weg selbststaendig und freiwillig gehen funktioniert das Ganze aber auch in die andere Riichtung, das heisst wenn die Jungs sich nach einiger Zeiit dazu entscheiden auf die Strasse zurueckzukehren steht ihnen die Tuer genauso offen.

Deswegen unterscheidet sich meine neue Arbeit auch stark von meiner alten.

Im Kinderdorf war ich immer mit den gleichen Kindern zusammen und sogut wie nie hat jemand versucht auf die Strasse zurueckzukehren, da die Kinder im Dorf schon in einer stabilisierten Phase sind.

In El Alto jedoch koennen es an einem Tag 20, am naechsten nur noch 14 Kinder sein.Fast taeglich gibt es neue Gesichter und oft bekommt man gar keine Chance die Jungs richtig kennenzulernen bevor sie schon wieder verschwunden sind.

Natuerlich gibt es auch Jungs die schon lange Zeit in dem Heim sind und taeglich die Schule besuchen und daran arbeiten in die naechste Etappe aufzusteigen.

Diese Arbeit ist auf jeden Fall etwas anderes und ich bin froh auch diese Seite kennenzulernen.

 

Auserdem habe ich vor einigen Wochen mit der Arbeit auf die Strasse begonnen.

Wir sind eine Gruppe aus ungefaehr 4 Freiwilligen und einer Psychologin, welche die Gruppe leitet.

Unsere eigentliche Aufgabe ist es den wirklich jungen Kindern auf der Strasse,die dort mit ihren Eltern oder manchmal auch als Waisen leben, die Moeglichkeit vorzustellen in das Alalay-Projekt zu kommen und ihnen somit ein zu Hause zu geben.

Besonders wenn die Kinder noch sehr klein sind haben sie gute Moeglichkeiten von der Strasse wegzukommen.

Unsere anfaengliche Aufgabe bestand darin eine Gruppe aus auf der Strasse lebenden Personen zusammenzustellen und diese dazu zu bringen sich mit uns zu bestimmten Zeiten an bestimmten Plaetzen zu treffen.

Es gibt zum Beispiel Einrichtungen die ein Mittagessen fuer 1 Boliviano anbieten, wo wir anfangs hingingen um mit den Leuten in Kontakt zu kommen und ihnen unsere Arbeit zu erklaeren.

Mittlerweile sind wir eine Gruppe aus ungeafaehr 20 Erwachsenen und 15 Kindern.

Wir treffen uns zweimal in der Woche und bringen ihnen etwas zu essen und zu trinken, spielen mit den Kindern und reden einfach mit den Leuten.

Sehr hilfreich bei der Zusammenstellung der Gruppe war uns auch ein Schuhputzer, mit dem wir uns angefreundet haben und der sozusagen unser „Informant“ ist um mit den Menschen auf der Strasse in Verbindung zu bleiben.

Schuhputzer gibt es zahlreiche in La Paz.

Sie leben nur selten auf der Strasse, koennen sich meistens ein Zimmer leisten und arbeiten mit speziellen Organisationen zusammen die ihnen Arbeitskleidung- und Material zur Verfuegung stellen.

Fuer 1 Boliviano pro Kunde polieren sie den ganzen Tag die Schuhe der Passanten und verdienen sich so ihren Lebensunterhalt.

Meist sind es junge Maenner oder auch kleine Jungs, welche als Schuhputzer arbeiten.

Viele gehen in die Schule oder fuehren ein ganz normales Leben mit einem stabilen sozialen Umfeld.

Von ihrem Beruf wissen ihre Freunde und Verwandten jedoch selten etwas, da es als Schande gilt als Schuhputzer zu arbeiten, deswegen tragen die meisten von ihnen wollene Muetzen die das ganze Gesicht bis auf die Augen bedecken um nicht erkannt zu werden.

Es gibt jedoch auch in diesem Berufsfeld einige Jungs die auf der Strasse leben und viele von ihnen sind leider auch drogenabhaengig und kennen eben einfach das Leben und die Leute auf der Strasse, da dies nun einmal ihr Arbeitsplatz ist.

 

Nun ein wenig zum allgemeinen „Leben auf der Strasse“.

Ich denke das ist ganz interessant, denn man hoert zwar immer davon aber so wirklich begreifen was das eigentlich heisst kann man nicht.

Oft sind es ganze Familien die auf der Strasse leben und auch ihren Freundes- und Verwandtenkreis dort haben.

Junge Menschen lernen sich kennen und fuehren Beziehungen, heiraten und bekommen Kinder, sowie im „normalen“ Leben auch.

Oft haben sie ein und den selben Platz wo sie zum schlafen hingehen, moeglicherweise ein Unterschlupf aus Pappe, was man vielleicht als sowas wie ihr „zu Hause“ bezeichnen kann.

Das hoert sich nun nicht so schlimm an aber natuerlich sind dabei staendig Drogen und Alkohol im Spiel.

Weint ein Kind und die Erwachsenen fuehlen sich davon gestoert werden ihm Drogen oder Alkohol verabreicht um es ruhig zu stellen, was natuerlich psychische und vor allem auch physische Auswirkungen hat, was man an den Kindern in den Heimen oft sehen kann.

Wer schlaeft muss aufpassen das ihm nicht die Schuhe von den Fuessen geklaut werden...und das wortwoertlich.

Jeder Junge der bis jetzt aus dem Heim abgehauen ist und nach einer oder mehreren Naechten zurueckkam war barfuss unterwegs.

Es gibt verschiedene Gangs, in den unterschiedlichen Bezirken der Stadt die sich gegenseitig bekriegen und meist aus Kindern und Jugendlichen bestehen die von einem Anfuehrer geleitet werden.

Bei unserer Arbeit auf der Strasse geht es auch darum mit den Anfuehrern zu verhandeln, denn oft verlangen sie verschiedenste Dinge von uns.

Als Gegenleistung bringen sie dann beim naechsten mal die kleinen Kinder ihrer Gruppe mit, mit denen wir ja eigentlich in Verbindung kommen wollen.

Natuerlich gibt es auch jedesmal jemand der dringend etwas aus der Apotheke braucht.

Infektionen jeder Art sind an der Tagesordnung: starke Zahnschmerzen, unbehandelte Wunden von Messerstechereien oder durch Vergewaltigung verursachte Geschlechtskrankheiten sind alltaeglich.

Natuerlich gibt es auch viele junge Muetter auf der Strasse, die alleine sind und in staendiger Gefahr leben.

Einmal hat eine junge Mutter im Drogenrausch versucht uns ihr Baby zu schenken.Nach einiger Zeit hat sie sich aber wieder beruhigt und es sich anders ueberlegt.

Wir versuchen die Maedchen zu ueberreden zusammen mit ihrem Kind zu Alalay zu kommen aber das lehnen die meisten sofort ab, zu sehr sind sie schon an das Leben auf der Strasse gewoehnt um sich an irgendwelche Regeln oder einen Alltag anpassen zu koennen.

Das ist wohl auch das groesste Problem bei den Jungs in El Alto, die immerwieder davonlaufen.

Fuer uns hoert sich das Strassenleben, das Leben in staendiger Gefahr und den taeglichen Kampf um den Hunger, perspektiv- und hoffnungslos an.

Aber fuer die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, welche nichts anderes gewohnt sind, reicht eben der Ausblick immer etwas zu essen. eine Ausbildung und eine Zukunft zu haben nicht aus, weil sie dafuer ihre Freiheit einbueßen muessen.

Deswegen habe ich wahnsinnigen Respekt vor jedem einzelnen Kind das den Schritt schafft in das Heim einzutreten weil es noch nicht aufgegeben hat und versucht sich eine Zukunft moeglich zu machen.

Und auch wenn viele nicht standhalten gibt es genuegend die noch Traeume haben und sich, wieviel es sie auch kostet, an die Regeln anpassen und ihren Weg gehen bis sie am Ende studieren und moeglicherweise anstatt in fuenfter Generation auf der Strasse zu leben ihren Doktortitel machen.

Und fuer diejenigen die es schaffen lohnt es sich hier zu sein und jeden Tag mit ihnen zu arbeiten und sie wachsen zu sehen...

 

Das war nun mal ein wenig mehr von meinem taeglichen Leben und warum ich ueberhaupt hier bin...

In 2 Wochen geht’s auf grosse Reise durch Bolivien und dann gibt’s wieder mehr Landschaftliches

 

Bis Bald

Salomeinbolivien

9.5.09 19:06, kommentieren

Viaje,Viaje!!!


Nun ist es schon wieder eine halbe Ewigkeit seit ich zum letzten Mal geschrieben habe und es ist viel passiert.
Ich bin wieder einiges rumgekommen, war zweimal in Sucre und hab mich ein bisschen im bolivianischen Dschungel umgesehen...aber am besten fange ich ganz von vorne an...
Nach einer harten Arbeitswoche bschlossen ich und zwei andere Freiwillige aus meinem Projekt in der zweiten Januarwoche auf eine kleine Reise zu gehen. Erst gings mit dem Bus nach Cochabamba, von wo aus wir in ein kleines Dorf namens "Villa Tunari" weiterfuhren.
Diese liegt im "Chapare", einer Dschungelregion zwischen Cochabamba und Santa Cruz.
Wegen Strassenblockaden wurden wir in einem Grossraumtaxi erst mal durch die wildeste Pampa mit schmalen Strassen an steilen Abhaengen kutschiert weil die normale Strasse vom Militaer besetzt war.
An einer Stelle setzte uns das Taxi dann im stroemenden Regen ab und erklaerte:´Hier gehts nicht mehr weiter, nur mit Moto`.
Dann gings also los mit dem Motorrad, schon voellig durchnaesst, auf der rutschigen Strasse.
Als waere das nicht schon genug wurden wir nicht einzeln chaufiert sondern zu zweit.
Ich und einer meiner Begleiter also...mitsamt unserem Gepaeck.
Auf Helme oder sonstige Sicherheitsvorkehrungen wird hier natuerlich auch keinen Wert gelegt.
Ich hatte ein bisschen Angst muss ich gestehen, obwohl es natuerlich Spass macht im stroemenden Regen auf einem Motorrad im stroemenden Regen durch den Dschungel zu rasen.
Vom Mototrrad wurden wir dann nach ungefaehr 15 Minuten wieder abgesetzt um von da aus mit dem Txi weiterzufahren...ein Stueck...dann mussten wir wieder ein wenig laufen weil die Strasse einfach voll mit wartenden Busen, Lastern und Autos war, die wegen den Blockaden tagelang dort festsassen...dann wieder ein Stueck mit einem taxi und so weiter.
Es kostete uns wahrscheinlich erheblich mehr Zeit als normalerweise um anzukommen aber nach einer schlaflosen Nacht und einem ereignisreichen Morgen hatten wir es dann doch geschafft und richteten uns in einem schoenen Hostal ein...mit Pool
Auf dem Weg habe ich uebrigens zum ersten Mal richtig Coca gekaut, mit Lejia, einer Masse die den Saft aus den Blaettern zieht, wodurch der ganze Mund betaeubt wird und auch der Hunger und die Muedigkeit gedaempft werden.

Es war echt heiss und schwuel...Dschungel eben.
An dem Tag gingen wir noch in einem nahegelegen Fluss schwimmen und genossen die Hitze.
Wir waren vier Tage im Chapare, waren viel schwimmen, faulenzten viel und erholten uns.
An einem Morgen gingen wir raften und ich wurde in den ersten 5 Minuten erst mal von einer grossen Welle ueber Bord gerissen und bekam leicht Panik im Wasser nachdem ich ungefaehr 10 liter geschluckt hatte...
Ich ueberlebte aber uns genoss den Rest der Fahrt, auch wenn es anstrengend war.
Wir besuchten auch einen Park mit ganz hohen Schaukeln, bis zu 18m, die an baeumen befestigt waren...alles andere als sicher...aber Bolivien eben.
Das hat echt Spass gemacht, aber nach 15m war mein Mut ausgeschoepft und ich verzichtete auf alles was hoeher war.
Einen Abends fing es ganz stark an zu regnen, es war aber natuerlich trotzdem noch total warm...also gingen wir bei stroemendem regen im Pool schwimmen, was zwischen all den pflanzen und dem Hostal aus Bambusrohren echtes Dschungelgefuehl erzeugte...

Am naechsten Tag gings weiter nach Sucre, eine sehr ruhige Stadt mit schoenen Parks und einer entspannenden Atmosphaere.
Alle Haeuser sind weiss gestrichen, andere farben sind verboten.
Wir sahen uns die Stadt an und tankten viel Sonne bevor es wieder zurueck nach La Paz und zur Arbeit ging.

Zwei Wochen spaeter fuhr ich wieder nach Sucre, wo unser "Halbzeitcamp" stattfand(Ja...ich bin schon 6 Monate hier).
Alle Freiwilligen meiner Organisation aus ganz Bolivien waren dort und wir genossen unsere Zeit zusammen, waehrend wir in Gruppen die letzten monate auswerteten und viele interessante Gespraeche hatten.
Nach drei tagen war auch das wieder vorbei und alle fuhren zurueck in ihre Staedte.

Letztes Wichenende war ich mit zwei freunden in Coroíco, ein Dorf das drei Stunden von La Paz enfernt ist und ebenfalls in einer Dschungelregion liegt.
Man hat von fast ueberall einen unglaublich schoenen Ausblick und gruene Berge,exotische Pflanzen und scheinbar aus dem Nichts zu kommende Wasserfaelle praegen das Landschaftsbild.
Wir lagen viel am Pool, wo ich mir einen anstaendigen Sonnenbrand holte, assen gut und schliefen viel.

Nach dieser Erholung bin ich jetzt wieder im Projekt.
Die Arbeit macht mir immernoch viel Spass und ich kenne meine Jungs mittlerweile so gut und hab mich so sehr in jeden Einzelnen verliebt das ich mir gar nicht vorstellen kann sie irgendwann zu verlassen.
Nach den grossen Sommerferien hat die Schule jetzt wieder angefangen und wir sind viel mit hausaufgaben und Lernen beschaeftigt.
Auch im Buero gibt es viel Arbeit und wir Freiwilligen haben eigentlich rund um die Uhr etwas zu tun.
Ansonnsten ist das Leben hier einfach nur lebenswert und ich geniesse die Stadt in vollen Zuegen.
Es gibt zu jeder Zeit einen ort wo man hingehen kann, wo etwas los ist und wo man Spass haben kann...jede Menge Konzerte von beruehmten suedamerikanischen Bands die immerwieder nach la Paz kommen, oeffentliche Maerkte und natuerlich jede Mange Tradition, auf die einfach viel Wert gelegt wird.
Auch das Reisen in ganz Bolivien ist so einfach und billig und immer moeglich...dieses Wochenende fahren wir nach Oruro, wo der beruehmte bolivianische Karneval stattfindet.

Nach einem halben jahr hier kann ich nur sagen das ich "La Paz" ueber alles liebe und es ein wirklich komisches Gefuehl ist zu wissen das die haelfte meiner Zeit hier schon vorbei ist...

Aber noch bin ich 6 Monate hier, die ich mit Sicherheit in vollen Zuegen geniessen werde

Bis Bald und liebe Gruesse!!!

salomeinbolivien

 

1 Kommentar 18.2.09 00:31, kommentieren

HOLA HOLA

Hallo meine Lieben!

 Mir ist mal wieder aufgefallen wie lange ich schon nicht mehr geschrieben habe...daher hier eine kurze Zusammenfassung der letzten Wochen

Nachdem Anfang Dezember meine erste, ganz eigene Salmonelleninfektiondurch medizinisch eindrucksvolle Test festgestellt wurde habe ich erst mal gar nicht viel gemacht ausser im Bett zu liegen.

Bis Weihnachten war ich dann wieder fit und habe ein wirklich schoenes Fest mit den Kindern verbracht.

Am 24. Dezember haben wir (die Freiwilligen) einen grossen Weihnachts-Workshop in der grossen Halle vorbereitet und mit allen Kindern Weihnachtskarten, Weihnachtsherzen, Tannenbaeume...und alles was eben dazugehoert gebastelt.

Abends gab es dann ein grosses Festessen, was wirklich lecker war...was man im Projekt doch eher selten erlebt

Danach bekamen alle Kinder Geschenke von ihren Paten ueberall in der Welt.Die Freude war natuerlich gross und ich glaube wir haben uns alle wieder selbst ein bischen wie Kinder gefuelt weil wir von der Euphorie einfach angesteckt wurden.

Am naechsten Morgen starteten wir mit einem grossen Fruehstueck mit Torten und Panetones...die wir uebrigens selbst hergestellt und verkauft haben um Geld fuer das Heim zu sammeln.

Danach verabschiedete ich mich und fuhr nach Hause zu meinen Mitbewohnern, wo wir den Tag damit verbrachten Weihnachtsfilme zu schauen und bolivianisches Weihnachtsgebaeck zu essen.

Abends kochten wir zusammen, wobei ich sagen muss das uns das Festmahl nicht ganz so gut gelungen ist und danach gabs endlich Bescherung.

Dann war mein erstes Weihnachten ganz weit weg von zu Hause schon vorbei und ich hab es wirklich sehr genossen...auch wenn ich das gute deutsche Gebaeck und das traditionelle Weihnachtsessen und alles was dazu gehoert doch schon manchmal vermisst habe

Den Rutsch ins neue Jahr habe ich mit einigen Freunden in La Paz verbracht, wo wir zuerst ein (diesmal wirklich) leckeres Essen in unserer Wohnung hatten und danach die vielen Partys in der Stadt genossen.

Ansonsten geht es mir gut wie eh und jeh...und man fuehlt sich mit jeder Salmonelleninfektion und jedem Lausbefall die man besiegt staerker

Ich hoffe ihr habt das neue Jahr alle gut angefangen!

Liebe Gruesse aus der Waerme

Auf Bald und machts gut!

salomeinbolivien

2 Kommentare 7.1.09 16:18, kommentieren

Feliz año nuevo!!!

Frohes neues Jahr!!!

1 Kommentar 2.1.09 18:21, kommentieren