Schlechte Erfahrungen

Hola amigos!!!

Nun...hier ist wieder viel passiert...und diesmal hab ich leider nicht nur schoene Dinge zu berichten.
Aber am besten fange ich ganz am Anfang an.

Am Montag hat unser Sprachkurs begonnen. In dem wir in Kleingruppen unser Spanisch aufbessern und etwas ueber die Kultur und Geschichte Boliviens lernen.
Die Lehrerin meiner Gruppe heisst "Monica", mit der wir immer viel Spass haben und die es immer wieder schafft das Thema auf "chicos guapos" zu lenken...was uns alle immerwieder sehr belustigt.

...am Montag habe ich dann auch erfahren das ich ab Dienstag arbeiten muss...jaja, sind die spontan, die Bolivianer...
Eigentlich arbeite ich im "Hogar Alalay" in Aldea,ein Dorf das ca. 1,5 Stunden von La Paz weg ist.
Da dieser Weg aber zu weit ist um ihn jeden Tag zu fahren,denn ich muss ja auch gleichzeitig noch den Sprachkurs machen, arbeite ich zur Zeit in einem "Hogar Alalay" das mehr oder weniger direkt in La Paz liegt.
Es gibt 5 verschiedene Haeuser von Alalay, allein in La Paz und Umgebung.
Auf diese Hauser sind die 4 verschiedenen Phasen aufgeteilt mit denen Alalay arbeitet.
Die Kinder der ersten Phase kommen direkt von der Strasse und es geht erst einmal darum dafuer zu sorgen das sie sich taeglich waschen, ihr Bett mach, usw.
In den weiteren Phasen wird dann versucht die Kinder wieder in die Gesellschaft einzugliedern.
Kinder (oder eher junge Erwachsene in der 4 Phase haben bereits eine fertige Schulausbildung und erlernen gerade einen Beruf. Manche von ihnen studieren sogar, wie ein Maedchen in meinem derzeitigen Projekt, das Architektur studiert.

Also bin ich am Montag zusammen mit einer anderen Freiwilligen, die das ganze Jahr ueber in diesem Alalay arbeiten wird, nach dem Sprachkurs ins ICYE-Buero gegangen, von wo aus wir von einem Mitarbeiter zu unserer neuen Arbeitsstelle begleitet wurden.
In dem Haus leben 20 Maedchen zwischen 15 und 19.
Die Schlafraeume sind nach den verschiedenen Phasen aufgeteilt.
Es gibt ein Schlafraum fuer die erste und zwei fuer die dritte und vierte Phase.

Der erste Tag hat wirklich Spass gemacht und die Maedchen waren auch sehr nett.
Das einzig schlechte war das es in dem Heim weder Spiele noch sonst etwas gibt das man mit den Maedchen unternehmen koennte.
Auf meinen Vorschlag hin, auf einem ein paar Meter entfernten Platz, fussballspielen zu gehen, erklaerten sie das sie 4 Wochen nicht auf den Platz duerfen weil sie irgendetwas angestellt hatten...
So blieb uns also nichts anderes als mit den Maedchen zu reden.
Abgesehn davon das ich mir an einem Stuhl aus dem ein Nagel stand die Hose aufgerissen habe und den ganzen tag halb enbloesst herumlaufen musste, ist mein erster Arbeitstag ganz gut verlaufen.

Waehrend unserer Arbeitszeit konnten wir unsere Taschen im Buero der Heimleiterin einschliessen, worueber ich auch sehr froh war, weil ich am Morgen 100 Euro in Bolivianos eingetauscht hatte und so mit einer betraechtlichen Summe herumlief.
Als ich jedoch zu Hause war und meinen Geldbeutel oeffnete musste ich feststellen, das vom am Morgen umgetauschten Geld 200 Bolivianos fehlten...
Ich ueberlegte hin und her und spielte alle Moeglichkeiten ueber den Verbleib des Geldes durch...aber ich konnte es mir einfach nicht erklaeren.
Ich entschloss mich dazu diese Sache im Projekt nicht anzusprechen weil ich ja wusste das die Sachen im Buero eingeschlossen waren und keines der Maedchen Zugriff darauf hatte.
Auserdem war es mein erster Tag und ich wollte keine falschen Verdaechtigungen anstellen.
Die Sache beschaeftigte mich trotzdem die ganze Woche...
Als ich am Freitag ins Projekt ging nahm ich 100 Bolivianos mit weil ich danach noch einige Sachen einkaufen wollte. Mir war sehr mulmig bei der Sache und ich ueberpruefte vorm Betreten des Projekts nocheinmal das sich das Geld in meinem Geldbeutel befand.
Der Tag verlief gut...doch als ich gehen wollte und das Buero betrat sah ich sofort das meine Tasche anders dalag als zuvor.
Als ich in meinen Geldbeutel sah musste ich feststellen das er leer war.
Im ersten Moment war ich eigentlich nur geschockt und wusste nicht so recht wie ich mich verhalten sollte.
Ich rief dann Charlotte ins Buero,eine andere Freiwillige, die schon seit drei Monaten in dem Projekt arbeitet und sehr gut Spanisch kann, um ihr die ganze Geschichte auf Englisch zu erklaeren...weil ich mich in diesem Moment nicht faehig fuehlte noch im Woerterbuch nachzuschlagen um mich besser ausdruecken zu koennen.
Sie stritt das Ganze sofort ab, meinte das das unmoeglich sei weil die Tuer abgeschlossen war, sie den Maedchen so etwas auserdem niemals zutrauen wuerde und mir das Geld irgendwo anders abhandengekommen sein muesse.
Als ich ihr dann auch von meinem Verlust vom ersten Tag erzaehlte sah sie mich nur skeptisch an und fragte warum ich denn dann nichts gesagt haette.
Ich fuehlte mich ploetzlich selbst als verdaechtigt irgendwelche Geschichten zu erzaehlen, als dann auch die Heimleiterin davon erfuhr und es als unmoeglich erklaerte.
Trotzdem redeten sie mit den Maedchen, die es natuerlich auch als voellig unmoeglich abschrieben, bis die Heimleiterin irgendwann mal auf die Idee kam das Fenster zu ueberpruefen...das natuerlich offen war...
Dann fingen sie an alle Zimmer der Maedchen zu durchsuchen, waehrend diese nicht das Haus verlassen durften. Die meisten von ihnen gehen in die Abendschule, die sie dann auch ausfallen lassen mussten um zu verhindern das sie das Geld auf irgendeinem Weg aus dem Haus schmuggeln konnten.
Ich sahs da und wartete und wartete und fuehlte mich ploetzlich wirklich aus irgendeinem Grund schuldig weil ich die Maedchen wirklich mag und nun alle den Nachteil daraus ziehen muessen das mich eine oder zwei von ihnen beklaut haben...

Ich ging dann irgendwann mir dieses Herumsitzen ,waehrend saemtliche Sachen der Maedchen wie bei einer Razzia durchsucht wurden, zu bloed wurde...

Als ich dann endlich zu Hause war hatte ich kaum Zeit zum durchatmen weil wir den Geburtstag einer Freiwilligen in unserer Wohnung feierten und eine halbe Stunde spaeter schon alle kamen.
Der Abend war ganz schoen aber als sich dann um 12 Uhr alle zum Tanzen aufmachten war ich wirklich nicht mehr in der Stimmung zum ausgehen und fiel einfach nur noch in mein Bett.

Das war also schonmal meine erste schlechte Erfahrung...die meiner Meinung nach reichlich verfrueht kam.
Die Sache beschaeftigte mich das ganze Wochenende...was man mir wohl auch angemerkt hat, da Monica, meine Mitbewohnerin, mir schon die ganze Zeit sagt das ich abschalten muss sobald ich aus dem Heim raus bin....eine Sache die ich wohl wirklich noch lernen muss...

Als ich nun am Montag wieder ins Projekt kam wurde die Sache, wie ich es vorher schon vermutet hatte,
einfach nicht mehr angesprochen.
Als ich mich nach dem Geld erkundigte meinte die Heimleiterin nur sie haetten alles durchsucht und nichts gefunden...moeglicherweise habe ich das Geld doch woanders verloren.
Nun gut, damit hatte ich gerechnet.
Ich beliess es dann auch dabei und habe meine erste Lektion gelernt

Nun noch kurz zur politischen Situation.
Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen...davon bekommen wir hier gar nichts mit.
Den "Buergerkrieg" von dem anscheinend ueberall die Rede ist, wird hier als solcher gar nicht wahrgenommen.
Zwei Freiwillige warten hier schon seit 2 Wochen darauf endlich nach santa cruz reisen zu koennen, wo sie arbeiten und eine andere Freiwillige, die morgen eigentlich nach Hause geflogen waere, muss noch laenger hierbleiben weil die Fluege stoniert wurden.
Aber ansonsten bekommen wir hier, ausser aus Zeitungsberichten (die wir versuchen zu entschluesseln) nichts von der kritischen politischen Lage mit.
Also...keine Sorge lieber Papa!

Nun denn...das war genug...fast schon zu viel...
mehr und vor allem anderes gibt es bald...

Ich kuesse Euch
adíos
salomeinbolivien
--

16.9.08 22:46

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


De E / Website (25.9.08 02:47)
Du solltest dein Geld mit einem elektronischen Peilsender versehen, wie das ein guter, deutscher Spionagesoldat so macht. Oder baue tödliche Fallen rund um deine Schätze auf, wie in Indiana Jones. Bedenke aber, dass Indi mit seiner Peitsche im Notfall immer entkommen konnte. Also peitschensichere Fallen konstruieren.

Lustig finde ich ja auch, dass du das Red-Train-Theme gewählt hast. Das hatte ich, etwas umgebaut, auch für meinen alten Blog; den Fessel.

Wenn du dann aus Bolivien zurück bist, kannst du ja mich resozialisieren. Vielleicht bin ich ja dann endlich soweit, dass man mich von der Straße holen muss.

Well, well. Ich wünsche dir viele weitere, schöne Tage dort!

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