Nuestra forma de vida!!!

Buen día!!!

Nun...ich weiss eigentlich gar nicht wo ich anfangen soll.
Das nicht viel Neues passiert ist in den letzten Wochen gibt mir endlich mal Gelegenheit im Allgemeinen ueber das Leben hier in La Paz zu berichten.

Darum einfach mal ein paar Situationen die ich bisher schon hier erlebt habe und die mir sehr typisch fuer das Land und die Kultur erscheinen:

Vor einigen Wochen sass ich mit Freunden im Internetcafe als ploetzlich ein voellig verdreckter Mann reingestuermt kam und uns fragte ob wir Englisch sprechen.
Wir in unserer Unerfahrenheit sagten natuerlich JA und so fing der Mann an uns eine unglaubliche Geschichte zu erzaehlen.
Er sei hier 13 Monate im Gefaengnis gewesen, voellig zu Unrecht natuerlich, waere gerade freigelassen worden und haette nun kein Geld um seine Familie in New York anzurufen.
Als ihm klar wurde das wir ihm kein Geld geben wollten ist er voellig ausgerastet und hat uns mit den schlimmsten Worten beschimpft.
Bevor er laut schreiend das Internetcafe verliess liess er es sich nicht nehmen noch schnell einem meiner Freunde ins Gesicht zu spucken, was uns teils belustigte...in Wahrheit aber nicht so witzig war.
Jedes Mal wenn wir in der Naehe des Internetcafes sind sehen wir den "gerade eben" aus dem Gefaengnis entlassenen Amerikaner der, in ihrer Unwissenheit, englischsprechende Turisten belaestigt und ihnen ohne Haemmungen seine Koerperfluessigkeiten entgegenschleudert.

Eine andere heikle Situation, die ich in der zweiten Woche als ich hier war erlebt habe:
Eines Morgens machte ich mich mit zwei meiner Mitbewohner auf den Weg zum Spanischkurs den wir damals besuchten.
Als mir irgendwann auffiel das ich in einem Anflug von Muedigkeit meine kompletten Spanischmaterialien in der Wohnung vergessen hatte blieb mir nichts anderes uebrig als nochmal zurueckzugehen.
Nun war ich also allein unterwegs und als ich dann endlich im Bus sass musste ich nach weniger als 5 Minuten feststellen das sich die indigene Bevoelkerung an diesem Morgen dazu entschlossen hatte alle Strassen zu blockieren um fuer ihre Rechte zu demonstrieren.
Mir blieb also nichts anderes uebrig als auszusteigen und den restlichen Weg zu Fuss zu gehen.
Ich kam also Mitten in die Demonstration die gerade in vollem Gange war, was mir als "Gringa" schon leicht Angst einfloesste da wir von vorne herein eingetrichtert bekamen bei solchen Situationen nicht auf die Strasse zu gehen, da man dabei schon mal auf Feindseeligkeiten stossen koennte.
In Form von faustgrossen Steinen die einem gegen den Kopf geschmissen werden zum Beispiel.
Ich, in meinem Pflichtbewusstsein mein Spanisch zu verbessern und mich nun schonmal in der Situation befindend, liess mich jedoch nicht beirren und lief weiter meines Wege, immer mit dem Strom der indigenen Bevoelkerung.
Das ich irgendwann ein Demonstrationsplakat in die Hand gedrueckt bekam und mich somit ebenfalls fuer die Rechte der Indios einsetzte nahm mir einen Teil meiner Angst so das ich, zwar 30 Minuten zu spaet aber voller Stolz mit meinem Plakat die Spanischklasse betrat.
Als die Demonstration am Abend im Fernsehn gezeigt wurde habe ich verzweifelt versucht einen blonden Haarschopf zu erkennen...aber mein Einsatz wurde leider nicht oeffentlich ausgestrahlt...beim naechsten Mal vielleicht

Wegen solcher Demonstrationen und dadurch enstehenden Blockaden kann es auch schonmal vorkommen das wir eine Woche kein Gas haben und somit nicht kochen koennen...was aber durchaus unseren Erfindereichtum erweiter.

Nun einmal zum Verkehr in der Stadt...
Es gibt vier verschiedene Verkehrsmittel.
Minibusse kosten zwischen 1 und 3 Bolivianos und haben in der Frontscheibe Schilder stehen die anzeigen wo sie hinfahren. Mit ihnen kommt man eigentlich ueberall hin.
Sie haben die Groesse eines kleinen Kleinbusses, was aber hier niemanden zu interessieren scheint, denn wenn es sein muss finden schonmal an die 20 Personen darin Platz.
Ich bin eigentlich nur mit Minibussen unterwegs.
Dann gibt es "Mikros", die die Groesse eines normalen Busses haben aber aus einer voellig anderen Zeit zu stammen scheinen.
Sie kosten 1 Boliviano, fahren aber nicht ueberall hin.
Weiterhin gibt es "Trufis". Das sind Sammeltaxis in denen sich auch gerne mal an die 8 Leute versammeln, obwohl sie die Groesse eines normalen PKW's haben (3 Bolivianos).
Und natuerlich die normalen Taxis, die erstaunlich billig sind.
Fuer 20 Bolivianos kann man hier schonmal 45 Minuten unterwegs sein.
Ampeln gibt es wenige und wenn dann werden sie sowieso nur selten beachtet.
Das allgemeine System bei Kreuzunge sieht folgendermassen aus:
Wer zuerst hupt der faehrt zuerst.
Das Beangstigende bei der Sache ist das die Fahrer manchmal selbst nicht zu wissen scheinen wer zuerst gehupt hat.
Trotzdem habe ich hier noch nie einen Unfall gesehen.

Zur Bevoelkerung:
Es gibt viele Cholitas, das sind die indigenen Frauen in den traditionellen Trachten die meist auf dem Land leben.
Traditionell gekleidete Maenner sieht man kaum noch.
Und natuerlich die "normale" Bevoelkerung die in der Stadt lebt.
Ein fuer mich beim erstenmal sehr ungewoehnliches aber wirklich ueberall zu sehendes Bild sind die zahlreichen Baustellen in der Stadt, wo man zwischen einigen Bauarbeitern auch zahlreiche Cholitas Steine schleppen sieht.
Viele Familien beschaeftigen auch eine Cholita als Koechin oder Hausfrau.
Ansonsten ist die Bevoelkerung sehr glaeubig und ueberall, auf der Strasse, in Minibussen, in allen Situationen bekreuzigen sich die Menschen.
Man koennte meinen das sie 50 Prozent ihres Lebens nichts anderes tun...so viel dazu.

Das Leben in der WG ist wunderbar.
Wir verstehen uns alle wirklich gut und in 2 Wochen werde ich auch endlich mein eigenes Zimmer haben weil Monica geht und dadurch ein Zimmer frei wird.
Was mich aber nicht unbedingt gluecklich macht weil ich sie wirklich sehr ins Herz geschlossen habe.

Einkaufen kann man hier auf einem grossen Markt auf dem man wirklich alles findet was man braucht.
Er ist riessig und es macht Spass zwischen all den Staenden und den verschiedenen Geruechen umherzugehen und mit den Cholitas, die ihre Waren anbieten, zu feilschen.
Natuerlich gibt es auch Supermaerkte, die aber viel zu teuer sind und in die ich nur gehe wenn ich Fleisch brauche.
Das kann man zwar auch auf dem Markt kaufen aber ich glaube das wuerde mein Magen nicht unbedingt mitmachen.

Die Wochenenden hier sind nie langweilig und es gibt immer wieder tolle Konzerte oder Veranstaltungen die wir alle zusammen besuchen.
Ansonsten gibt es natuerlich auch viele Clubs, Bars und Discos.
Am liebsten gehe ich in Peñas, wo traditionelle bolivianische Musik gespielt und die traditionellen Taenze getanzt werden.
Dort bekommt man, statt den bei uns ueblichen Erdnuessen, eine Schale mit Kokablaettern und dazu gepresstes Koka, das ungefaehr die Konsestenz von einem Kuchenteig mit viel Zucker hat.
Man bestreicht ein Kokablatt mit dem gepressten Koka, erhitzt das Blatt kurz ueber einer Kerzenflamme und kaut es dann.
Koka schmeckt ein bisschen wie Spinat und mir persoenlich sehr gut...auch in Form von Tee.
Es hat aber keinerlei Wirkung..zumindest keine direkt spuerbare (auch wenn manche meinen sie bekommen davon einen tauben Mund).
Es hilft jedoch gegen die Hoehe und beruhigt denn Magen...was hier manchmal sehr hilfreich ist.
In den Peñas trinke ich meistens Singani, das Nationalgetraenk der Bolivianer.
Es schmeckt wie eine Mischung aus Wodka und Tequila und man trinkt es mit Sprite, Orangensaft oder Tee, was sehr lecker ist.

Letzte Woche fand ueber zwei Tage eines der beruehmtesten Festivals Boliviens in La Paz statt, was mir gute Musik und das bis jetzt beste Wochenende in La Paz bescherte.
Dabei kam mir der Gedanke das es in Deutschland mit Sicherheit irgendwelche Vorschriften gibt wie grell die Flutlichter sein duerfen die von der Buehne ins Publikum strahlen.
Wenn man also nach einem Konzert hier mit der Haelfte seiner urspruenglichen Sehkraft durch die Nacht laeuft weiss man erst was es heisst in einem Land zu leben in dem Gesetze ganz klein, meistens aber gar nicht geschrieben werden.

Ansonsten lerne ich immer neue Leute kennen, was sehr viel Spass macht.
Nach und nach auch immer mehr Bolivianer und nicht nur Freiwillige, was auch sehr gut fuer mein Spanisch ist.

Das typische spanische Essen lerne ich dadurch das ich im Projekt lebe und auch esse immer besser kennen.
Vieles ist sehr lecker, wie z.B. Apí, ein Maisgetraenk das stark an unseren Gluehwein erinnert aber ohne Alkohol ist und mit gebackenen Teigfladen gegessen wird.
Auch die vielen verschiedenen Kartoffelsorten schmecken interessant.
Nur als ich dann letztens versehentlich Lama probiert habe und mir von dem Geschmack ziemlich schnell ziemlich schlecht geworden ist, ich aber vor den Kindern nichts ausspucken konnte, fand ich das nicht so toll.
Ansonsten liebe ich das Leben im Projekt und die Kinder, die manchmal aber auch echt anstrengend sein koennen.


Als ich letzte Woche eines Morgen um 6:00 Uhr meine Arbeit begann war ich erstaunt einen von den Jungs schon komplett angezogen und froehlich herumhuepfend anzutreffen.
Als ich die Erzieherin fragte was mit ihm los sei erklaerte sie mir das er so froehlich sei weil er es in dieser Nacht geschafft hatte nicht in sein Bett zu pinkeln.
Ich musste wirklich lachen aber das bestaetigte dann auch gleichzeitig einen lang gehegten Verdacht von mir der mich jedes mal beschlich wenn ich die Schlafzimmer der Jungs betrat und mir ein suesslicher "Duft" entgegenwehte.
Ich bleibe mittlerweile immer bis Freitags im Projekt um am Morgen noch an einer Besprechung teilzunehmen in der die naechste Woche geplant wird.

Zum Schluss noch eine wichtige Meldung!
Ich habe vor 4 Wochen angefangen Zampoña (Panfloete) zu spielen und werde bald ofiziell der beste Zampoñaspieler der Welt.
Zumindest bin ich zuversichtlich, seit ein paar Tagen kommt naemlich manchmal schon ein Ton raus wenn ich reinpuste

Wie ihr seht geht es mir immernoch gut und ich bin gluecklich wie zuvor.
Liebe Gruesse und Kuesse an euch alle!

hasta pronto
salomeinbolivien

12.10.08 22:17

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