Los niños de la calle

 

Hallo Alle zusammen...nun es gibt so einiges Neues hier in La Paz, was mich dazu bewegt wieder mal zu schreiben.

 

Ich koennte von meinen Reisen durch Bolivien erzaehlen.

Mittlerweile war ich auf dem traditionellen bolivianischen Karnaval in Oruro mit bunten Umzuegen und vor allem vielen betrunkenen Bolivianern, ich  war in Cochabamba um Freunde zu besuchen und habe ein traditionelles Ostern in Coroíco verbracht...aber ich bekomme langsam das Gefuehl das ich zu viel ueber meine Reisen und viel zu wenig ueber meine Arbeit und das was ich hier eigentlich tue schreibe.

 

Zuerst moechte ich ueber meinen Arbeitswechsel vor ungefaehr 4 Wochen schreiben.

Nachdem ich nun fast 7 Monate in dem Kinderdorf gearbeitet und auch dort gelebt habe, wurde der Drang dazu in ein anderes Projekt zu wechseln immer staerker.

Das lag nicht daran das mir die Arbeit keinen Spass gemacht und ich mich nicht wirklich in die Kinder verliebt haette, sondern hatte einfach damit zu tun das mir nun einmal nicht  mehr viel Zeit hier bleibt und ich diese in der Stadt verbringen wollte.

Nun ist es erstmal eine wahnsinnige Erleichterung nach der Arbeit einfach nach Hause zu gehen und eben auch einen Feierabend zu haben

Seit 4 Wochen also arbeite ich in El Alto, immernoch fuer Alalay aber mit Jungs von 8 bis 16 Jahren der ersten Etappe zusammen.

Das heisst diese Kinder kommen direkt von der Strasse ins Projekt, wo es ersteinmal darum geht sie von den Drogen wegzubekommen und ihnen einen Alltag zu geben.

Danach fangen sie an in die Schule zu gehen.

Das Projekt hat eine offene Tuer, was heisst das die Kinder von der Strasse sozusagen einfach anklopfen koennen und aufgenommen werden.

Da es viel darum geht das die Jungs ihren Weg selbststaendig und freiwillig gehen funktioniert das Ganze aber auch in die andere Riichtung, das heisst wenn die Jungs sich nach einiger Zeiit dazu entscheiden auf die Strasse zurueckzukehren steht ihnen die Tuer genauso offen.

Deswegen unterscheidet sich meine neue Arbeit auch stark von meiner alten.

Im Kinderdorf war ich immer mit den gleichen Kindern zusammen und sogut wie nie hat jemand versucht auf die Strasse zurueckzukehren, da die Kinder im Dorf schon in einer stabilisierten Phase sind.

In El Alto jedoch koennen es an einem Tag 20, am naechsten nur noch 14 Kinder sein.Fast taeglich gibt es neue Gesichter und oft bekommt man gar keine Chance die Jungs richtig kennenzulernen bevor sie schon wieder verschwunden sind.

Natuerlich gibt es auch Jungs die schon lange Zeit in dem Heim sind und taeglich die Schule besuchen und daran arbeiten in die naechste Etappe aufzusteigen.

Diese Arbeit ist auf jeden Fall etwas anderes und ich bin froh auch diese Seite kennenzulernen.

 

Auserdem habe ich vor einigen Wochen mit der Arbeit auf die Strasse begonnen.

Wir sind eine Gruppe aus ungefaehr 4 Freiwilligen und einer Psychologin, welche die Gruppe leitet.

Unsere eigentliche Aufgabe ist es den wirklich jungen Kindern auf der Strasse,die dort mit ihren Eltern oder manchmal auch als Waisen leben, die Moeglichkeit vorzustellen in das Alalay-Projekt zu kommen und ihnen somit ein zu Hause zu geben.

Besonders wenn die Kinder noch sehr klein sind haben sie gute Moeglichkeiten von der Strasse wegzukommen.

Unsere anfaengliche Aufgabe bestand darin eine Gruppe aus auf der Strasse lebenden Personen zusammenzustellen und diese dazu zu bringen sich mit uns zu bestimmten Zeiten an bestimmten Plaetzen zu treffen.

Es gibt zum Beispiel Einrichtungen die ein Mittagessen fuer 1 Boliviano anbieten, wo wir anfangs hingingen um mit den Leuten in Kontakt zu kommen und ihnen unsere Arbeit zu erklaeren.

Mittlerweile sind wir eine Gruppe aus ungeafaehr 20 Erwachsenen und 15 Kindern.

Wir treffen uns zweimal in der Woche und bringen ihnen etwas zu essen und zu trinken, spielen mit den Kindern und reden einfach mit den Leuten.

Sehr hilfreich bei der Zusammenstellung der Gruppe war uns auch ein Schuhputzer, mit dem wir uns angefreundet haben und der sozusagen unser „Informant“ ist um mit den Menschen auf der Strasse in Verbindung zu bleiben.

Schuhputzer gibt es zahlreiche in La Paz.

Sie leben nur selten auf der Strasse, koennen sich meistens ein Zimmer leisten und arbeiten mit speziellen Organisationen zusammen die ihnen Arbeitskleidung- und Material zur Verfuegung stellen.

Fuer 1 Boliviano pro Kunde polieren sie den ganzen Tag die Schuhe der Passanten und verdienen sich so ihren Lebensunterhalt.

Meist sind es junge Maenner oder auch kleine Jungs, welche als Schuhputzer arbeiten.

Viele gehen in die Schule oder fuehren ein ganz normales Leben mit einem stabilen sozialen Umfeld.

Von ihrem Beruf wissen ihre Freunde und Verwandten jedoch selten etwas, da es als Schande gilt als Schuhputzer zu arbeiten, deswegen tragen die meisten von ihnen wollene Muetzen die das ganze Gesicht bis auf die Augen bedecken um nicht erkannt zu werden.

Es gibt jedoch auch in diesem Berufsfeld einige Jungs die auf der Strasse leben und viele von ihnen sind leider auch drogenabhaengig und kennen eben einfach das Leben und die Leute auf der Strasse, da dies nun einmal ihr Arbeitsplatz ist.

 

Nun ein wenig zum allgemeinen „Leben auf der Strasse“.

Ich denke das ist ganz interessant, denn man hoert zwar immer davon aber so wirklich begreifen was das eigentlich heisst kann man nicht.

Oft sind es ganze Familien die auf der Strasse leben und auch ihren Freundes- und Verwandtenkreis dort haben.

Junge Menschen lernen sich kennen und fuehren Beziehungen, heiraten und bekommen Kinder, sowie im „normalen“ Leben auch.

Oft haben sie ein und den selben Platz wo sie zum schlafen hingehen, moeglicherweise ein Unterschlupf aus Pappe, was man vielleicht als sowas wie ihr „zu Hause“ bezeichnen kann.

Das hoert sich nun nicht so schlimm an aber natuerlich sind dabei staendig Drogen und Alkohol im Spiel.

Weint ein Kind und die Erwachsenen fuehlen sich davon gestoert werden ihm Drogen oder Alkohol verabreicht um es ruhig zu stellen, was natuerlich psychische und vor allem auch physische Auswirkungen hat, was man an den Kindern in den Heimen oft sehen kann.

Wer schlaeft muss aufpassen das ihm nicht die Schuhe von den Fuessen geklaut werden...und das wortwoertlich.

Jeder Junge der bis jetzt aus dem Heim abgehauen ist und nach einer oder mehreren Naechten zurueckkam war barfuss unterwegs.

Es gibt verschiedene Gangs, in den unterschiedlichen Bezirken der Stadt die sich gegenseitig bekriegen und meist aus Kindern und Jugendlichen bestehen die von einem Anfuehrer geleitet werden.

Bei unserer Arbeit auf der Strasse geht es auch darum mit den Anfuehrern zu verhandeln, denn oft verlangen sie verschiedenste Dinge von uns.

Als Gegenleistung bringen sie dann beim naechsten mal die kleinen Kinder ihrer Gruppe mit, mit denen wir ja eigentlich in Verbindung kommen wollen.

Natuerlich gibt es auch jedesmal jemand der dringend etwas aus der Apotheke braucht.

Infektionen jeder Art sind an der Tagesordnung: starke Zahnschmerzen, unbehandelte Wunden von Messerstechereien oder durch Vergewaltigung verursachte Geschlechtskrankheiten sind alltaeglich.

Natuerlich gibt es auch viele junge Muetter auf der Strasse, die alleine sind und in staendiger Gefahr leben.

Einmal hat eine junge Mutter im Drogenrausch versucht uns ihr Baby zu schenken.Nach einiger Zeit hat sie sich aber wieder beruhigt und es sich anders ueberlegt.

Wir versuchen die Maedchen zu ueberreden zusammen mit ihrem Kind zu Alalay zu kommen aber das lehnen die meisten sofort ab, zu sehr sind sie schon an das Leben auf der Strasse gewoehnt um sich an irgendwelche Regeln oder einen Alltag anpassen zu koennen.

Das ist wohl auch das groesste Problem bei den Jungs in El Alto, die immerwieder davonlaufen.

Fuer uns hoert sich das Strassenleben, das Leben in staendiger Gefahr und den taeglichen Kampf um den Hunger, perspektiv- und hoffnungslos an.

Aber fuer die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, welche nichts anderes gewohnt sind, reicht eben der Ausblick immer etwas zu essen. eine Ausbildung und eine Zukunft zu haben nicht aus, weil sie dafuer ihre Freiheit einbueßen muessen.

Deswegen habe ich wahnsinnigen Respekt vor jedem einzelnen Kind das den Schritt schafft in das Heim einzutreten weil es noch nicht aufgegeben hat und versucht sich eine Zukunft moeglich zu machen.

Und auch wenn viele nicht standhalten gibt es genuegend die noch Traeume haben und sich, wieviel es sie auch kostet, an die Regeln anpassen und ihren Weg gehen bis sie am Ende studieren und moeglicherweise anstatt in fuenfter Generation auf der Strasse zu leben ihren Doktortitel machen.

Und fuer diejenigen die es schaffen lohnt es sich hier zu sein und jeden Tag mit ihnen zu arbeiten und sie wachsen zu sehen...

 

Das war nun mal ein wenig mehr von meinem taeglichen Leben und warum ich ueberhaupt hier bin...

In 2 Wochen geht’s auf grosse Reise durch Bolivien und dann gibt’s wieder mehr Landschaftliches

 

Bis Bald

Salomeinbolivien

9.5.09 19:06

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen